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3D Druck Nachbarbeitung mit Aceton (ABS-Druck) – TE Design

Ein Modell an einem modernen 3D-Drucker fertigen zu lassen ist heutzutage kein großes Problem mehr.
Aber dieses Modell entsprechend zu finishen, ist meist mit Mühen und einer längeren Nachbearbeitungszeit,
sowie Aufwand verbunden.

Rapid_prototyping_slicing
Um zu verstehen, warum diese Modelle alle pyramidenähnliche Stufen besitzen, muss man den Drucker verstehen.
Beim 3D-Druck werden dreidimensionale Werkstücke schichtweise aufgebaut. Der Aufbau erfolgt computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen (CAD). Diese schichtweise aufgebauten Stufen können feiner oder grober ausfallen, je nach Leistung des Druckers. Diese Stufen können störend sein. Im Vergleich mit einem Spritzgussverfahren sind alle Modelle nach dem Druck rau.

Quelle Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/3D-Druck#/media/File:Rapid_prototyping_slicing.jpg

Was kann man dagegen tun?
Eine aufwändige Möglichkeit ist es das Modell anschließend zu schleifen.
Dies ist mit viel Nachbearbeitung und personellem Aufwand verbunden.

Gibt es da nichts einfacheres?
Ja gibt es, aber nur für Modelle die mit ABS Kunststoffen aufgebaut werden.

Nach einigen Selbstversuchen bin ich auf die Möglichkeit der Aceton Bedampfung gestoßen.
Wie diese funktioniert, möchte ich Ihnen nun hier erklären.

vordruck_01 vordruck_02

Dies sind zwei Bilder von einem 3D-Druck, den ich vor einiger Zeit machte.
Die Stufen im Material sind gut zu erkennen, die der Drucker bei der Ausgabe erzeugte.

Was wird nun benötigt, um das Material spiegelglatt (ohne händisches Schleifen) zu bekommen?

Sie sagen das ist unmöglich? Ich sage: es funktioniert.

Acetonbedampfung zur Glättung eines 3D-Druckes:

Benötigt wird dafür Methode 1 (schnell):

– Ein großes Glasgefäß oder ein anderweitiger Behälter hitzebeständig (bitte beachten nur PP oder nicht von Aceton lösliche Kunststoffe zu verwenden)
– Eine Heizplatte ungefähr bis 110 Grad
– Ein selbst gebautes Podest (höhe 2 cm zum Boden) / Metall/Aluminium (nicht angreifbares Material), das auf dem Grund des Gefäß herabgestellt werden kann.
(Dieses Podest muss reibungslos herein- und herausnehmbar sein.)
– Einen Deckel für das Glasgefäß. Es Frischhaltefolie eignet sich aber auch ganz gut. So entsteht kein Druck.
– Ein Aktivlüfter, der um das Objekt die Luft zirkuliert.
– Aceton (reines Aceton. Dies gibt es in der Apotheke)
– Aluminiumfolie als Unterlage für das 3D-Modell
– Eine Uhr und 5-10 Minuten Zeit 😉

Methode 2 (länger) habe ich selbst probiert. Und werde ich hier aufzeigen.

– Glasgefäß / Kunststoffgefäß (PP oder anderen nicht unter Aceton lösbaren Kunststoffen).
Das Gefäß muss verschließbar sein.
– Backpapier / Tempo / Kreppapier, was mit Aceton getränkt werden kann
– Heizplatte 30 – 40 Grad / Heizung 30 – 40 Grad
– Pappe
– Reißzwecken
– Schere
– Latexhandschuhe

Arbeitsaufwand ca. 10-15 Minuten + Dauer der Bedampfung 40-90 Minuten

vorber_01 vorber_02

Als erstes schneiden Sie eine Pappe in der Größe Ihres Behältnisses zurecht.
Danach machen Sie ein paar Löcher hinein, damit das Aceton auch vom Boden nach oben ziehen kann.
Die Reiszwecken werden dann als Halterung für das Modell in den Karton gesteckt.
Dabei ist zu beachten und zu überprüfen, dass der Ausdruck schön aufliegt und nicht herunterrutschen kann.
(Modell liegt im Gefäß auf den Reißzweck spitzen auf)
Vorsicht bei Reißzwecken mit Kunststoffkopf, diesen bitte vorher entfernen (Schmelzungsgefahr).

Dieser Schritt kann übrigens vernachlässigt werden, wenn das Modell einen Boden als Auflage besitzt.
Dann sollte das Modell nicht auf Pappe, sondern auf Alufolie gelagert werden.

Als nächstes wird ein Tempo, saugfähiges Papier, auf die Größe des Behältnisses zurecht geschnitten.
Bei meinem Versuch habe ich nur den Boden mit einem Tempo ausgekleidet und musste hierfür rundlich zugeschnitten werden.

Jetzt darf das Tempo mit Aceton getränkt werden, dieses wird zuerst eingelegt.
Auf dem Boden oder wenn möglich zusätzlich an den Seiten des Gefäßes.
(Vorsicht es darf nicht direkt das Modell berühren)

Als Zweites wird der vorher ausgeschnittene Karton mit den Reißzwecken hineingestellt.

Als Drittes kommt vorsichtig das Modell darauf.

Danach wird das Gefäß am besten Luftdicht verschlossen.

Alles zusammen stellen Sie dann auf die Heizung oder einer beheizten Platte die Ihrem Behältnis keinen Schaden zufügt.
(Merke: Je höher die Temperatur, desto schneller die Verdampfung, desto schneller Ihr Ergebnis)

Dies sollte dann wie folgt aussehen:
ingef_01 ingef_02

Nach einiger Zeit werden Sie sehen, wie sich ein Nebel in Ihrem Gefäß bildet.
Das Aceton beginnt zu verdampfen und umhüllt das Modell.
Jetzt heißt es warten.
40 – 60 Minuten sollten ausreichen um erste Ergebnisse bestaunen zu dürfen.
Diese Dauer kann je nach Gefäßgröße, Menge an Aceton und Hitze variieren.

Um dann das Ergebnis wieder herausnehmen zu können, sollten Sie das Gefäß nur im Freien oder nur in gut gelüfteten Räumen öffnen.

Gefäß nicht vor Beendigung öffnen, denn das Aceton verflüchtigt sich sehr schnell und ist in geschlossenen Räumen hoch entzündlich.

Das Modell sollte mindestens 1 Stunde nach dem Öffnen nicht berührt werden, da die Oberfläche weich ist.

Hier das Ergebnis meines Experimentes:

end_03 end_01 end_02

Dies war mein erster Test und ist schon ziemlich gut geglückt.

Bei meinem zweiten versuch ließ ich mir noch mehr Zeit und bedämpfte das Objekt 90 Minuten lang.
Danach war keine Kerbe mehr zu sehen und das Ergebnis erinnerte stark an ein richtiges Spritzgussverfahren.

Was habe ich also bei meinen Versuchen gelernt und was ist zu beachten?

Die Auflage vom Modell sollte so gering wie möglich gehalten werden, da die Spitzen der Reißzwecke löcher im Modell hinterlassen.

!VORSTICHT!
Acetondampf ist hochentzündlich!
Den Dampf nicht einatmen!

Am besten in gut belüfteten Räumen oder im Freien verwendbar.

Ich hoffe, dieses Experiment spricht Sie an und ich würde mich sehr über Ihre persönlichen Erfahrungsberichte freuen.

Gruß Ihr Tom.

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